Dreißig Liter zum Geburtstag
Über den Herbstmarkt in Greußen, viele helfende Hände, Cupcakes für die Kulturwerkstatt, zwei richtig gute Bands und einen Geburtstagsgewinn, den ich weitergegeben habe.

An meinem Geburtstag habe ich dreißig Liter Fassbier gewonnen.
Das ist ein schöner Preis. Es ist allerdings auch eine Menge Bier, vor der man als einzelner Mensch erst einmal etwas ratlos steht.
Angefangen hatte dieses Wochenende ganz anders. Mit den Kindern auf dem Herbstmarkt, Fahrgeschäften und der Aussicht auf einen schönen Abend. Dass daraus drei Tage werden würden, über die ich hinterher einen ganzen Text schreiben kann, hat vor allem mit den Menschen zu tun, die das alles auf die Beine gestellt haben.
Viele Vereine haben sich zusammengetan, gemeinsam organisiert und aufgebaut. Was beim Herbstmarkt vom 11. bis 13. September 2026 dabei herausgekommen ist, war wirklich grandios.
Und deshalb gehört der erste Dank ihnen.
Welche Vereine und wie viele Menschen da im Einzelnen mitgeholfen haben, bekomme ich hier sicher nicht vollständig zusammen. Wenn ich jemanden nicht nenne, nehmt mir das bitte nicht übel. Gemeint seid ihr alle. Jeder Verein, jede helfende Hand und auch die Leute, die einfach mit angepackt haben, ohne irgendwo Mitglied zu sein.
Wenn man am Freitag auf den Karlsplatz kommt, steht das alles schon da. Die Fahrgeschäfte, das Festzelt, die Bühne. Man geht hin und hat einen schönen Abend. Wie viele Stunden vorher jemand damit verbracht hat, Dinge abzusprechen, zu besorgen und aufzubauen, sieht man dann nicht mehr.
Man sollte trotzdem daran denken. Gerade wenn es so gut funktioniert, dass man als Besucher überhaupt keinen Grund hat, darüber nachzudenken.
Einen möchte ich dabei ausdrücklich erwähnen: Peter Georgi, unseren Ortschaftsbürgermeister in Greußen.
Ich kenne ihn aus dem Schützenverein in Greußen. Dort nennt er sich selbst gern und mit einem Augenzwinkern den „Spaßbürgermeister“. Mir gefällt dieser Humor. Man darf über das eigene Amt auch mal lachen können.
Wenn es um die Geschichte Greußens geht, ist er ein wandelndes Lexikon. Und einiges davon hat er aufgeschrieben: Sein Werk heißt „Links und rechts der Helben. Ein Foto-, Heimat- und Wanderbuch südlich von Dün und Hainleite“ und umfasst zwei Bände mit zusammen rund 950 Seiten und 3.500 Fotos und Abbildungen.
Zwei Bände. Über die Gegend, durch die wir hier jeden Tag fahren. Man bekommt eine Ahnung davon, wie viel es direkt vor der eigenen Haustür zu entdecken gibt, wenn jemand genau genug hinschaut.
Beim Herbstmarkt hat er selbst die Ärmel hochgekrempelt und beim Aufbau des Partyzelts mit angepackt. Das hat mich beeindruckt. Wer so etwas schon einmal aufgebaut hat weiß, dass die Dinger sich nicht durch gutes Zureden aufstellen.
Und dann sieht man ihn wieder auf seinem Fahrrad durch Greußen düsen. Wie ein Sausewind.
Ich hoffe wirklich, dass ich in seinem Alter noch genauso fit bin.
Wir waren am Freitag mit den Kindern da. Die hatten ihre Freude an den Fahrgeschäften, und wir hatten unsere Freude daran, dass die Kinder ihre Freude hatten. Das klingt nach einem ziemlich überschaubaren Anspruch an einen Abend. Er reicht völlig.
Später haben wir mit vielen Leuten zusammengesessen, uns unterhalten, Bier getrunken und DJ Daleo zugehört.
Wer meine anderen Texte kennt, weiß, dass es in Greußen mit dem einen Bier gelegentlich etwas schwierig wird. Es gibt einfach zu viele Leute, mit denen man noch kurz reden möchte.
Für den Samstag hatte Johanna Cupcakes gebacken.
Meine Frau hat damit die KulturWerkstatt „Wir sind Vielfalt“ unterstützt. Der Erlös aus unseren Cupcakes ging zu hundert Prozent an den Verein.

Und sie war damit bei Weitem nicht allein. Viele Mitglieder der Kulturwerkstatt und auch Menschen, die gar nicht im Verein sind, haben gebacken und unterstützt. Der Kuchen ging richtig gut weg.
Das war das Schöne daran. So viele Leute haben etwas beigetragen, und am Ende stand da ein Kuchenangebot, das keiner allein hätte auf die Beine stellen müssen.
Meine Aufgabe war es, mit hinter dem Stand zu stehen und Kaffee auszuschenken.
Backtechnisch habe ich zwei linke Hände. Zum Glück sieht das bei meiner Frau anders aus. Aber Kaffee in eine Tasse bekommen, das kriege ich hin. Man muss seine Fähigkeiten realistisch einschätzen.
Vorsitzende der Kulturwerkstatt ist Silke Sander. Ich mag Silke sehr. Und bevor sie es beim Lesen selbst anmerken muss: Ich bin ihr immer noch ein Gruzzi-T-Shirt schuldig. Das lasse ich so schnell wie möglich drucken. Hier steht es jetzt auch noch schriftlich.
Die Kulturwerkstatt gibt es seit 2022, und sie arbeitet ehrenamtlich. Wer sich durch ihr Veranstaltungsarchiv klickt, findet dort unter anderem Konzerte, eine Pilzwanderung, einen Vortrag über Wolf und Luchs und das gemeinsame Picknick zur Sonnenfinsternis auf dem Warthügel.
Das gefällt mir an deren Arbeit. Da ist Platz für ziemlich unterschiedliche Interessen. Der eine möchte Musik hören, die andere etwas über Tiere erfahren, und beim nächsten Mal sitzt man gemeinsam auf einer Decke und schaut in den Himmel.
Für mich gehört genau so etwas zu einem Ort, in dem man gern lebt. Dass jemand eine Idee hat und sich dann auch darum kümmert, dass andere etwas davon haben.
Diesmal waren es unter anderem Kuchen und Kaffee, mit denen viele von uns etwas dazugeben konnten.
Am Abend wurde es dann laut.
Zuerst spielte Ärregend, die Band aus Greußen. Von den Leuten kenne ich eigentlich nur Johannes Serwa persönlich. Er hilft auch regelmäßig bei Rosalie aus, dem Eiscafé, über das ich hier schon geschrieben habe. Ein wirklich toller Typ.
Es ist schön, jemanden aus dem Ort auf einer Bühne zu sehen. Noch schöner ist es, wenn einem die Musik dann auch richtig gut gefällt.
Und das hat sie.
Ich habe als Jugendlicher gern Böhse Onkelz gehört. Wenn davon an so einem Abend einiges gespielt wird und dazu noch jede Menge Rock kommt, muss man mich musikalisch nicht mehr lange abholen. Da bin ich schon da.
Ärregend hat mir richtig Spaß gemacht. Eine Band aus dem eigenen Ort, die so einen Abend eröffnet, darf man ruhig mal ausdrücklich loben.
Danach kam THOR.
Ich hätte nach der ersten Band schon zufrieden nach Hause gehen können. Ich bin sehr froh, dass ich es nicht getan habe.
THOR hat ebenfalls richtig abgeliefert. Besonders gefreut habe ich mich über Rammstein. Die gehören zu den Bands, die ich sehr mag, und wenn das live gut gespielt wird, ist bei mir ohnehin nicht mehr viel Überzeugungsarbeit nötig.

Zwei Bands hintereinander, beide spitze. Das war eine richtig wilde Party.
Und irgendwann wurde aus Samstag Sonntag.
Am 13. September habe ich Geburtstag. Ich habe also vom zwölften in den dreizehnten hineingefeiert, mitten in diesem Abend, mit guter Musik und vielen Leuten um mich herum.
Über die Geburtstagsgrüße habe ich mich sehr gefreut. Ehrlich. Das war für mich noch einmal ein eigenes Highlight an einem Wochenende, das bis dahin schon ziemlich viel zu bieten hatte.
Am Sonntagmorgen ging es dann erst einmal über den Flohmarkt.
Dort bin ich auf Michael Dietze gestoßen. Er steckt hinter 3D-Onkel und macht 3D-Drucke, darunter auch individuelle Anfertigungen. An seinem Stand standen unter anderem Lampen.
Das kam mir gerade recht. Ein Mitarbeiter hatte uns verlassen, und ich wollte ihm zum Abschied etwas Persönliches schenken. Also habe ich bei Michael eine Lampe in Auftrag gegeben.
Der Beschenkte hat sich sehr darüber gefreut.
Ich kann Michael wärmstens empfehlen. Wenn du ein individuelles Geschenk suchst oder etwas im 3D-Druck anfertigen lassen möchtest, schau bei ihm vorbei. Ich wollte eigentlich nur über einen Flohmarkt gehen und hatte hinterher ein Abschiedsgeschenk organisiert. Auch dafür sind solche Märkte gut.
Danach ging es weiter zum Oktoberfest beim Bistro Kranert.
Nun könnte man meinen, nach zwei Tagen Herbstmarkt wäre der gesellschaftliche Bedarf für ein Wochenende irgendwann gedeckt. Offenbar war da noch etwas Platz.
Dort habe ich beim Luftgewehrschießen mitgemacht.
Und ausgerechnet an meinem Geburtstag den ersten Platz geschossen.
Der Preis: dreißig Liter Fassbier.
Ich trinke gern mal ein Bier. Das dürfte nach diesem Text niemanden mehr überraschen. Aber dreißig Liter kann ich unmöglich alleine austrinken. Und ich wollte aus meinem Geburtstagsgewinn auch keine längerfristige Aufgabe machen.
Deshalb habe ich das Fass dem Männergesangverein in Clingen gespendet.
Ein Fass Bier lässt sich schließlich besser gemeinsam gebrauchen.



Wenn ich jetzt an dieses Wochenende zurückdenke, fällt mir einiges ein. Die Freude der Kinder. Die Gespräche am Freitag. Johanna mit dem Cupcaketeig und all die anderen, die Kuchen beigesteuert haben. Zwei Bands, die mir einen großartigen Samstagabend beschert haben. Die Geburtstagsgrüße. Eine Lampe vom Flohmarkt, die zum Abschiedsgeschenk wurde. Und dann stehe ich am Sonntag da und gewinne auch noch beim Schießen.
Das muss man erst einmal in drei Tagen unterbringen.
Vor allem möchte ich aber den Vereinen und allen Helferinnen und Helfern danken, die den Herbstmarkt möglich gemacht haben. Auch den Menschen, deren Namen ich nicht kenne und deren Arbeit ich als Besucher gar nicht mitbekommen habe.
Ihr habt vielen Menschen ein schönes Wochenende gemacht. Unseren Kindern auch. Und mir persönlich einen Geburtstag, an den ich mich noch lange erinnern werde.
Das wollte ich euch einfach mal sagen. Danke.